Die Geschichte der Zeche Hermann
1906
Bei Probebohrungen im gesamten Kreis Lüdinghausen wurde Anfang 1906 festgestellt, dass in Selm in einer Tiefe von 1.200 m eine abbaufähige Kohlemenge von ca. 379 Millionen Tonnen Kohle zu erwarten war.
16. Dezember 1906
In der Bauernschaft Beifang wurde mit der Errichtung einer Doppelschachtanlage begonnen.
Die Schachtanlage Hermann in Selm-Beifang wurde schon 1906 mit 10.500.000 Mark bewertet.
Um die hohen Kosten zu bewältigen wurde schon früh versucht Zechenanlagen zusammen zulegen. 1893 gab es das erste sogenannte Kohlensyndikat, um den Absatz und die Fördermenge zu regeln.
Die Zeche Hermann arbeitete lange Jahre autonom und schloss sich dieser Vereinigung erst sehr spät an.
1907
Im Februar wurde mit dem Abteufen des ersten Schachtes begonnen, sowie im Mai des gleichen Jahres mit dem Bau des zweiten Schachtes begonnen.
Da der Buddenberg umfangreiche Lehmvorkommen hatte, wurde etwa zur gleichen Zeit eine Ringofenziegelei erbaut, in der täglich an die 20.000 Ziegel gebrannt wurden.
1908
Im Dezember 1908 ist der erste Schacht bereits bei einer Tiefe von 786m angekommen.
1909
Im April ist der zweite Schacht bei einer Tiefe von 945m angekommen; die Produktion beginnt.
1910
Schacht I und II und die kompletten Taganlagen entstanden, sowie die dazugehörige Bergarbeiter-Kolonie.
Selm hatte im Jahre 1906 eine Einwohnerzahl von ca. 1.800. Zum Ende der Förderung 1926 ca. 10.000 Einwohner.
1911
Eine Anlage zur Gewinnung von schwefelsaurem Ammoniak wird erstellt. Bis Herbst 1911 waren 80 Koksöfen in Betrieb, bis Ende 1914 steigerte sich die Anzahl der Öfen auf 160.
Die Kapazität dieser Koksöfen wurde jedoch kriegsbedingt sehr schnell nicht mehr ausgenutzt.
Der erste Teil einer Benzolfabrik wurde errichtet.
Die Zeche Hermann konnte zu dieser Zeit auch schon mit einer eigenen elektrischen Zentrale aufwarten, die bis 1913 ausgebaut wurde. Der Strom kam vom Gersteinwerk in Stockum.
1914
Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 nahm die Zeche über und unter Tage ihren planmäßigen Fortgang.
Während der Kriegszeit wurden auch Frauen beschäftigt. Deren Schicht dauerte 8 Stunden, die der Männer 12 Stunden.
Auf der Zeche arbeiteten während dieser Zeit einige hundert Frauen, die nach Kriegsende wieder gekündigt wurden.
Auf der Zeche Hermann verunglückte durchschnittlich ein Mitarbeiter pro Monat tödlich. Die Verletzen wurden zunächst in keiner Statistik geführt.
1920
Nachkriegskrise: Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage durch Absatzschwierigkeiten.
1924
Bis zu diesem Jahr wurde ein Verlust von 2,5 Mio. Mark eingefahren.
1925
Im Juni diesen Jahres betrug der Selbstkostenpreis auf Zeche Hermann 19,30 Mark pro Tonne Kohle. Das Kohlensyndikat, dem die Zeche Hermann zu diesem Zeitpunkt angeschlossen war, zahlte jedoch nur 12,20 Mark.
1926
Am 14. Mai 1926 wurde die Schließung der Zeche Hermann beantragt. Nicht ohne Wiederspruch der Belegschaft, da ein Boom in der Kohleproduktion abzusehen war. Die Produktion wurde gesteigert, da die englischen Bergarbeiter in einen langen Streik traten.
Die deutsche Industrie sicherte sich dadurch große Absatzmengen auf dem Weltmarkt.
Zu vermuten ist, dass die deutsche Industrie kein Interesse hatte, den französischen Besitzern der Zeche Hermann entgegenzukommen.
Selm entwickelte sich zur Notstandsgemeinde Nr.1 im Deutschen Reich und blieb dies auch bis weit nach dem 2. Weltkrieg.
1926
Die Zeche Hermann wird stillgelegt. Im gleichen Jahr begann der teilweise Abriss der Zechenanlage Hermann.










